[DE][RP] Schatten von Skelos

roleplay
pvp
story

#21

Intermezzo

Zwei Frauen schleichen um das Lager. Die eine erscheint wild, gar katzenartig, die andere zivilisiert und doch mit bemaltem Gesicht, was die mandelförmigen Augen betont. Sie sprechen eine Arbeiterin an, unverfänglich, ein zufälliges Treffen der Zivilisation inmitten der rauen Wildnis. Die Arbeiterin bleibt etwas distanziert, aber höflich, gewährt Auskunft, soweit sie kann und darf.
Dann trennen sich die Wege wieder. Die Frauen beratschlagen sich, die Wilde schleicht vor, umrundet das Lager, späht an den Pallisaden entlang hinein und mustert das Innere, die Zelte, Kisten, einfachen Feldbetten, die Baustelle und Leute, die sich darauf tummeln. Eine handvoll Leute sind es, die arbeiten und stumm ihr Werk verrichten, doch jener, der es leitet, scheint zu fehlen.
Rückzug und wieder beraten die beiden, erkunden dann die alte Ruine gleich gegenüber, zu der Spuren führen. Auf den Stufen und unter dem überdachten Bereich stehen vernagelte Kisten, große und kleine, deren Inhalt nicht ersichtlich ist. Auch der Ursprung fehlt. Ohne Werkzeug können sie nicht herausfinden, was im Inneren verborgen liegt. Sie schleichen zwischen den Kisten vorbei zum schmalen Eingang. Das Innere ist erleuchtet von Kohlebecken und Fackeln. Im ersten Raum steht eine einfache Pritsche an der Wand, Felle darauf. Es ist etwas kühler als draussen, aber vom Wind und Wetter geschützt. Persönliche Gegenstände scheinen zu fehlen.
Der Inhaber scheint in der hinteren Kammer zu knien. Er scheint sie zu bemerken, obwohl sie leise waren, spricht sie mit erdgrundtiefer, samtiger Stimme an. Unverfängliche Worte, doch wirkt seine ganze Gestalt erhaben. Etwas huscht in den Schatten, nur sichtbar aus den Augenwinkeln heraus. Seine Stimme scheint den ganzen Raum einzunehmen, seine Präsenz wirkt bedrohlich. Es reicht, um die Frauen zu verjagen. Augen, die im Schatten der Kapuze liegen, blicken den beiden lange hinterher…

6. Monat, Tag 26, im Jahre 18.n.A.

Sie wandern… laufen… durch den Raum der Portale… Einer mit Maske, einer mit Rüstung, die unpassender für sein Volk nicht sein könnte und sie, in Kleidung, die den Temperaturen Hohn trotzt. Ein Kennenlernen der unterschiedlichen Kulturen und Völker… ein Sklave wird gebracht, die Kette übergeben, dann geht es weiter, zurück… nach Süden hin… zum Zimmermann und dem kleinen Dorf. Kaum setzt man sich zum Plausch, schlagen die Gewalten der Natur zu. Ein Sturm bricht los, peitscht durch das Dorf und scheint sich dort festzusaugen. Sand schmirgelt über Haut, dringt in jede Ritze, jeden Spalt und rüttelt an Wänden, Türen und Dächern.
Die Becher, zuvor noch mit Trinkbarem gefüllt, beherbergen hernach nur noch einen nassen Klumpen Sandmatsch, umgestoßen und irgendwo verweht. Notdürftig wird sich gewaschen und gesäubert.
Kulturen prallen aufeinander, taxieren sich, ignorieren sich und trennen sich wieder. Friedlich. Noch.
Es wird erkennbar, welch Schmelztiegel das Exils doch ist…


#22

6. Monat, <über dem Tag ist ein großer Fleck>, im Jahre 18.n.A.

Im Bad… der Mann mit der Maske befielt… ein Schwert an seiner Seite, lässt die Priesterin zur Sklavin werden, die tut, was er wünscht, vor den Augen der anderen Gäste… Er demonstriert seinen Macht und seinen Einfluss, dem sie kein Einhalt gebietet, noch nicht… einem anderen “Sklaven” wird mit dem Tod gedroht, auch wenn er die Ketten mittlerweile freiwillig trägt.
Die Augen der Priesterin blitzen leicht auf… Ärger? Oder prüft sie ihren Herrn? Ist dies alles nur ein Spiel?

<Das Datum ist unleserlich und verschmiert>

Sie hat ein Stück Leder geklaut… unter den Augen der großen Statue, die sich hoch aufrichtet wie eine Cobra, geschlitzte Augen, gespaltene Zunge. Ihre Handlung… Blasphemie… doch hier im Exil, ein tägliches Vorkommnis. Was ist der Glaube schon wert? Fremde Götter? Haben sie hier Macht? Hier gibt es nichts, ausser der universellen Weisheit, dass auf uns alle der Tod lauert… und der Tod… ist weiblich.
Verdorbenes Übel… und auch sie hat ihre Finger im Spiel.
Die Diebin wird erwischt… gefangen. Ihr Leid… zum Glück muss ich es nicht mit ansehen, sehe Tage später, wie sie “erzogen” wird… grausames Spiel des Mannes mit der Maske.

Zugleich startet eine Suche nach dieser Frau. Schläger werden angeheuert, jegliche Kapazitäten mobilisiert. Zwei Frauen fehlen schon aus der Siedlung im Süden. Die Bewohner ziehen von Dorf zu Dorf, von Haus zu Haus, suchen, fragen, halten Ausschau. Sie fragen jede Menschenseele, die sie treffen.
Sie zögern nicht, sich selbst dem Okkulten zuzuwenden… jene zu fragen, die um den Schleier wissen und deren Kräfte durch ihn hindurch reichen.
Ich sehe sie… sehe das Blut, was fließt, ein Opfer… höre das Stöhnen. Ich spüre, dass es vor sich geht, die Luft knistert wie elektrisch geladen… meine Kontrolle über meine Augen und Ohren schwindet, dann bricht mein Kontakt ab, erlischt, als wäre ihm das Lebenslicht ausgehaucht worden.
Es hat seinen Preis, den Tod selber zu fragen, wen er umarmt hat. Doch sie leben… beide Frauen leben… noch. - Die Frage ist nur, wie lange sie das tun, hier an diesem Ort des Todes.

Die Diebin derweil… wurde gefunden, nur von dem Falschen.
Und sie… erscheint dort ebenso. Ich sehe es aus den Facetten der Augen meines kleinen Spiones, erkenne ihre Kontur, ihre Haare, selbst wenn sie nun ebenso ein Teil ihres Gesichtes mit schwarzer, schädelartiger Maske verdeckt.
Aber wenn sie es wusste, warum sagte sie nichts?
Eine weiße Blüte befindet sich im Haar. Meine Augen bewegen sich begierig in die Richtung, verlockender Geruch und meine Kontrolle schwindet leicht.
Später… sehe ich sie, wie sie vor der anderen kniet, ihr die Füße wäscht, fast rituell anmutend. Aber warum? Warum macht sich eine Priesterin die Mühe, einer Sklavin die Füße zu waschen, sie zu salben und zu verbinden?